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Ich oder Ich
Wenn zwei Menschen immer die gleiche Meinung haben, ist einer von ihnen überflüssig. - Sir Winston Spencer Churchill

a sitze ich und kämpfe. Nicht mit Orks, auch nicht mit Goblins. Auch kein Dämon hat es auf mich abgesehen. Nein, jemand, der viel schlimmer und in gewisser Hinsicht um einiges schrecklicher ist. Mein Gegner bin ich. Und ich kämpfe mit mir selbst. Ich bin mein Lieblingsgegner... Es hatte schon viele Schlachten gegeben. Zum Glück ging es dabei noch nie ums Leben und Tod, sondern um etwas prosaischere Sachen. Aber es war immer spannend, da ich nie im Vorfeld wußte, wie der Kampf ausgeht. Ich hatte natürlich immer wieder was vermutet oder von etwas ausgegangen. Aber nicht desto trotz schaffe ich es mich selbst zu überraschen...

uch diesmal weiss ich nicht, wer siegt, ich oder ich... Klingt ein wenig verwirrend, nicht wahr. Vielleicht sage ich einfach worum es sich dabei dreht. Also! Vor ein paar Wochen fragte ich mich (wir reden gern miteinander), ob ich (wir) nicht eine Dunkelelfenarmee uns (mir) zulegen sollte. Das kam unerwartet. Wie immer. Und zwar dann, wenn ich viel zu viel Zeit habe und gerade nichts besseres zu tun weiss. Es ist gefährlich, nichts zu tun zu haben, da kommt man auf Gedanken... Aber weiter. Ich fragte mich also, ob es nicht toll wäre eine Dunkelelfenarmee zu haben. Mit diesen unglaublich tollen Modellen von Chris Fitzpatrick. Die Frage hat mich unvorbereitet getroffen. Ich antwortete ohne nachzudenken, na klar, das wäre super. Na also, sagte Ich zufrieden, wenn Du also nichts dagegen hast, dann los, machen wir es. Halt, sagte ich , immer schön langsam. Was machen, wieso, warum. Was soll das überhaupt. Na ja antwortete Ich, Du hast doch selbst gesagt, es wäre toll, eine Dunkelelfenarmee zu haben. Natürlich, bestätigte ich, das sagte ich, aber ich habe nie gesagt, wir werden es kaufen. Ja aber, fing Ich wieder an. Nix aber, schnitt ich ab, Ruhe! Ok, Ok, hörte ich Mich leise reden, war ja nur ein Vorschlag.

ann war es eine Weile ruhig, ich hatte keine Lust mehr mit Mir zu reden, und Ich war anscheinend gekränkt über meine Reaktion und ließ von sich auch nichts hören. So war es ruhig. Der Spuk schien sich zu verflüchtigen. Ich muss zugeben, ein gewisses Triumphgefühl herrschte in mir. Dem habe ich es aber gezeigt, dachte ich, kurz und bündig.

ach einer Weile meldete Ich sich wieder. Na, wie sieht’s aus, fragte er mich. Gut sagte ich, besser kann es gar nicht laufen. A-ha, gut für Dich, sagte Ich. Nicht schlecht, gab ich zu. Schon das neue Modell von Manticor gesehen, kam dann die Frage. Aber diesmal war ich vorbereitet. Vergieß es, sagte ich, denk gar nicht dran. He, meinte Ich, werde jetzt bloß nicht unhöflich, ich bin auch Du und habe auch Rechte auf Meinungsäußerung. Die will ich aber gar nicht hören, antwortete ich, ich weiss ganz genau, wo das alles endet, das haben wir oft genug durchgespielt. Ja, nickte Ich einverstanden, das haben wir und immer hat es Spaß gemacht. Sicher, aber diesmal läuft nix, Du bleibst still, wir haben andere Prioritäten und an die müssen wir uns halten. Prioritäten sind gut, sagte Ich dann, wie wäre es wenn wir nur ein paar Charaktermodelle als Prioritäten bezeichnen. Ich mußte über Mich lachen. Nein, den Trick kenne ich, so hat es schon mal mit Echsen angefangen und jetzt haben wir vierzig Echsenreiter herumlaufen, für die es keine Regeln mehr gibt. Du solltest Dir was intelligentes einfallen lassen um mich herumzukriegen. Ich hörte Mich lachen. Also gut, lassen wir das Thema. Genau, lassen wir das.

ach diesen Gespräch war es ein paar Tage wieder ruhig. Es gab einiges zu tun und zu lesen und ich vergaß allmählich diese Unterhaltung. Mein anderes ich meldete sich immer wieder, aber niemand sprach über Dunkelelfen. Bis die letzte White Dwarf Ausgabe in meinem Postkasten lag. Das hätte ich mir denken können. War ja schließlich auch nicht das erste Mal.

ch blätterte darin und als erste sah ich es, die ganz bösen Elfen... Junge, Junge, sind sie gut, war mein erster Gedanke. Einfach unverschämt gut. Die muss ich haben. Ja, die muss ich auch haben, antwortete Ich. Auf einmal waren wir uns einig. Ich hatte in dem Moment einfach keine Chance... Wir legten den White Dwarf weg und griffen zu einem Stück Papier. Wir wollten eine Liste machen, von all den schönen Sachen, die wir kaufen wollen. Und die haben wir auch gemacht. Als wir fertig waren, stand unten eine beachtliche Zahl mit einem DM Suffix. Das war das einzige was am Blatt nicht schön war. Das war meine Rettung.

ch glaube, wir können das nicht machen, sagte ich. Ach was, antwortete Ich fröhlich, das packen wir. Nein, packen wir nicht. Jetzt laß mich in Ruhe, sagte Ich gereizt, wenn Du willst, kannst Du aussteigen, ich mach’s allein. Ich war bereits ganz "nüchtern" geworden und ging unter allen Segeln auf Konfrontationskurs. Du wirst aussteigen, sagte ich, ich bleibe. Ich werde mich an den Tisch setzen, den Pinseln auspacken und was bemalen und wenn ich mit allem, was da noch bemalt werden will fertig bin, sind wir beide Rentner und dann unterhalten wir uns noch mal darüber. Ich aussteigen, schrie Ich, das hättest Du wohl gerne. Ja, das hätte ich ab und zu wirklich gerne schrie ich zurück und zerriß das Blatt. Du bist doch nicht ganz dicht, meldete sich die gemeine innere Stimme. Doch, bin ich, sprach ich zu ihm, und zwar viel dichter als Du und jetzt Klappe halten. Irgendwie hat es funktioniert. Ich verzog sich und blieb einige Tage weg. Bis ich wieder mal den White Dwarf aufklappte. Sobald es passierte begann der Kampf von vorne. Leidenschaft und Vernunft, Feuer und Eis, Schwarz und Weiß...

nd es hat auch bis heute nicht aufgehört. Und wird bestimmt noch eine ganze Weile dauern. Ich habe ein paar andere Miniaturen gekauft um den unermeßlichen Hunger von Ich zu stillen, aber ich weiss, er schläft nicht und wartet bloß darauf, auf die Gelegenheit, auf die besondere Stimmung um zuzuschlagen. Deshalb bin ich sauer auf ihn. Wir reden nicht einmal miteinander. Er versucht immer wieder die Gewalt zu ergreifen, aber bevor er bei der Mail Order anruft oder sonst wo eine Bestellung abgibt, schaffe ich es gerade noch, ihn zu vertreiben. Ich weiss immer noch nicht wer gewinnt. Wenn ich mal eine Statistik erstellen würde, dann hat mein Opponent früher viel öfter als ich Oberhand gewonnen. Nur diesmal ist es anders. Diesmal habe ich es aufgeschrieben. Und diesmal wird es anders. Oder auch nicht... wer weiss...

12.06.1999 by witchhunter