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Schwäche oder Stärke? ...
Wer die Perle in Händen hält, fragt nicht nach der Muschel
P. Benery

eute, wie auch gestern oder letzte Woche oder an vielen anderen Tagen war ich in meiner Firma und habe gearbeitet. Ist an sich nichts außergewöhnliches. Das tun viele. Die meisten tun es jeden Tag. Manche haben Glück nur 2-3 Tage in der Woche arbeiten zu müssen, aber dafür verdienen sie weniger und können sich dementsprechend nicht mehr so viel Miniaturen leisten wie die, die jeden Tag schaffen. Dafür haben solche Menschen aber viel mehr Zeit um das was sie kaufen zu bemalen oder umzubauen, oder was auch immer damit anzustellen. Und natürlich gibt es noch diejenige, die mit Miniaturen gar nichts am Hut haben und somit ganz aus unserer Reihe tanzen. Was weiß ich, was sie mit ihrem Geld oder ihrer Zeit so anstellen, aber mit Sicherheit nichts vernünftiges... Wir wissen ja alle, daß Warhammer die einzig richtige Lebenseinstellung ist. Die anderen wissen es nicht und wenn wir es ihnen erzählen, wird es uns nicht geglaubt. Ist schon komisch. Aber so sind eben die Menschen, die übersehen das offensichtliche und vernarren sich in das nebensächliche. Menschen halt. Und das noch ziemlich viele dazu.

ber ich habe schon vor langem gelernt, man kann nicht die Welt und die Menschen die diese Welt bevölkern ändern. Und irgendwann habe ich die Versuche es doch zu tun sein lassen. Seit dem Tag geht es mir ausgesprochen gut, ich habe jede menge Zeit für mich und meine Miniaturen, niemand hält mich für verrückt und keiner will was von mir. Ich sitze einfach in meiner Ecke, tu meine Arbeit oder das was man als Arbeit bezeichnet, bekomme regelmäßig mein Gehalt, gehe ab und zu einkaufen, tanke mein Auto oder bringe es zur Werkstatt und jedes Mal, wenn mich jemand aus der Fassung bringen möchte, denke ich daran was ich wohl abends so machen würde, wenn die Nacht einbricht und der Rest der Welt schlafen geht. Ich denke an meine Mark Knopfler CD’s, an die vielen Figuren, die dann auf mich warten, an die Regale mit Büchern und White Dwarf's, an meine immer größer werdende Armeen und schon muß ich lächeln. Und mein Gesprächspartner regt sich auf, weil ich mich nicht aufrege und weil mir sein Anliegen wohl relativ gleichgültig ist und weil er nichts daran ändern kann.

ch könnte ihm erzählen, daß es Warhammer gibt und das er es sich mal anschauen sollte und daß es sein Leben verändern könnte aber... Ich tue es nicht. Wieso soll ich es tun? Ich will niemanden ändern. Alle sind so gut, wie die sind und daran gibt es nichts auszusetzen. Zumindest für mich nicht. Angenommen ich würde es ihm erzählen und es würde ein Licht für ihn aufgehen und er wird alles schmeißen und Figuren kaufen. Was dann? Dann würde er jeden Tag zu mir kommen und mit mir darüber reden wollen. Und schon haben wir was gemeinsam mit ihm. Will ich mit diesem Mensch, der mich aufregen will was gemeinsam haben? Oder will ich ihn zu mir einladen am Sonntag um zu spielen? Nein, das will ich ganz bestimmt nicht. Er soll da bleiben, wo er ist, sich um seine Computerspiele kümmern und ruhig auf Diablo 25 warten. Nichts gegen Computerspiele. Jungs, ist echt was nettes, habe eine Weile auch Nächte lang gespielt. Nur ist es irgendwie nicht echt, nichts was man Anfassen kann oder in die Vitrine stellen. Nur ein kleines buntes Rechteck, 15 bis 20 Zoll groß, pixelhaft und virtuell. Die Figuren sind wiederum da. Sie können sich nicht bewegen, wie die Bilder auf dem Monitor, aber die bleiben auch dann hier, wenn ich das Licht und den Computer ausschalte. Sie sind alle um mich und möglicherweise wachen sie über mich. Sie alle, die Oger und die Goblins, die Menschen und die Tiere, die Kanonen sind die ganze Nacht feuerbereit und die Reiter sind immer im Sattel. Alles kann sich ändern. Das Auto kann kaputt gehen, die Firma pleite machen und das Fleisch von BSE verseucht sein, aber die Figuren bleiben immer da. Sie gehen nicht kaputt und werden nicht krank, sie sind etwas was von Dauer ist. Und was ist schon heutzutage von Dauer? War eine rhetorische Frage...

nd so vergehen die Tage. Ich werde nicht jünger, ich werde nicht reicher. Ich denke immer wieder über den Sinn des Lebens nach, werde aber nicht schlau daraus. Die Dinge sind eben gegeben. In gewissem Sinne haben wir Macht über diese Dinge, aber in Praxis ist es eher umgekehrt, die Dinge haben Macht über uns. Und da die gegeben sind, sind wir auch auf eine sonderbare Art und Weise gegeben. Und vielleicht sogar von jemanden über uns für bestimmte Aufgaben eingeteilt. Und das, was wir für unsere Schwäche halten, ist mit Sicherheit unsere Stärke, nur wissen wir nicht für was es gut ist. Ich meine, wenn ich mein Monatsbudget für Figuren nicht einhalte, ist es auf allgemeine bürgerliche Art eine Schwäche von mir, aber bezüglich auf die Weltordnung hat es, denke ich, einen Sinn. Ich weiß nicht welchen, aber für irgendwas ist es gut. Vielleicht habe ich dann einfach weniger Geld und kaufe mir weniger Fleisch und so verringert sich die Chance, daß mich die obenerwähnte Rinderepidemie erwischt :-) Und somit bleibe ich arbeitsfähig und zahle meine Steuern und die Staat kann von meinem Steuergeld ein paar zusätzliche Bäume im Park einpflanzen oder einen zusätzlichen Quadratmeter Autobahn bauen, für mehr reicht es wohl kaum :-), was wiederum dazu führt, daß ein LKW mit Benzin vollgeladen etwas mehr Bremsspur hat und es gerade noch schafft zu bremsen und nicht umzukippen und in Flammen aufzugehen. Und so wird eine Umweltkatastrophe verhindert, die dann ansonsten vielleicht eine seltene Schmetterlingsart zum Aussterben bringen würde und das würde das Gleichgewicht seinerseits aus den Fugen reißen und eine Weltkatastrophe auslösen... Alles ist möglich. Alles hängt irgendwie zusammen und wir sitzen alle in einem Boot. Ist auch klar, daß ich nicht allein dafür zuständig bin, die Welt zu retten und es müssen letztendlich noch mehr Meter Autobahn gebaut werden um den Unfall zu verhindern, aber ich bin auch nicht der einzige der eine sogenannte Schwäche hat oder?...

a ja, ich habe wohl schon wieder gewaltig übertrieben. Ich wollte aber auch nichts festes definieren, ich wollte lediglich versuchen mich und meine Rolle in dieser Welt zu verstehen. Es wäre möglich, daß ich gar keine Rolle in dem Ganzen spiele, daß ich nur ein Nebenprodukt bin, das auf nichts und niemanden Einfluß nimmt und mein Getue mit Figuren und Farben gar nichts zu sagen hat. Na ja, möglich ist alles. Wahrscheinlich nur darauf kommt es auch an. Auf die Wege, die da sind um betreten zu werden oder betreten werden zu können. Ich bin auf meinem Weg, und es kommt mir meistens so vor, als wäre es auch der richtige. Man kann sich natürlich irren, aber darauf kommt es nicht an. Wer die Perle in Händen hält, fragt nicht nach der Muschel...

14.03.2001 by Wychhunter