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Der Untergang von Nowgorod

Wir sind nicht klein, wenn Umstände uns zu schaffen machen, nur wenn sie uns überwältigen

Johann Wolfgang von Goethe

owgorod war eine der sichersten und prächtigsten Städte Kislevs. Hoch im Norden des Landes gelegen und zuerst nur als ein Vorposten gedacht, entwickelte sie sich im laufe der Zeit zu einer mächtigen Festung. Die Stadt, dicht an einen Fluß gebaut, liegt inmitten der nördlichen Ebenen.

ie Gegend war reich an Ostländer (66785 Byte)Pelztieren und Rohstoffen und so kamen immer mehr Menschen nach Nowgorod um dort ein neues Leben anzufangen. Die meisten hatten auch Erfolg. Nowgorod florierte und wuchs. In der Gegend mehrten sich die Dörfer. Aus dem einfachen Vorposten wurde eine große Stadt mit eigenen Streitkräften, die gleichzeitig militärisches Hauptquartier und Verwaltungszentrum der gesamten Umgebung war. Es war eine schöne und wohlhabende Zeit. Von besonnenen Fürsten regiert beherrschte Nowgorod so Jahrhundertelang den Norden von Kislev. Mehrere Hunderte Meilen von Praag entfernt, wurde die Stadt immer selbständiger. So überraschte es niemanden, daß sich einige Adlige für eine Trennung von Kislev aussprachen, um einen eigenen Staat zu gründen. Es wäre mit Sicherheit auch so gekommen, doch Nichts auf der Welt ist beständig. Es hat noch keine Macht gegeben, welche nicht von einer anderen Macht geschlagen werden konnte.

it dem Reichtum kam auch ein unaufhaltsamer Strom von Eindringlinge in das Land. Tiermenschenhorden streiften durch die Wälder, brannten alles nieder und auf den weiten Ebenen stand plötzlich eine Chaoskriegerhorde. Die Sicherheit und der Wohlstand, den Ostländer (78956 Byte)Nowgorod in dreihundert Jahren aufgebaut hatte, war augenblicklich vorbei, als der Krieg ins Land kam. Alexander Newski, der Fürst von Nowgorod, trommelte alle verfügbaren Streitkräfte zusammen und das grimmige, zu allen entschlossene Reiterheer rückte vor. Doch als der Fürst die zahlreichen Banner der nach Blut dürstenden Chaoskriegerhorde erblickte, wurde ihm schwer ums Herz. Mehr als zehntausend Anhänger des rachsüchtigen Chaosgottes Khorne standen ihm gegenüber. Sein Kontingent zählte aber kaum mehr als zweitausend Reiter und der Großteil davon konnte kaum als schwere Kavallerie eingestuft werden. Nowgorod hatte keine Chance. Nur standen die Sterne damals noch günstig für Kisleviten. Es war Herbst und der Herbst im Norden von Kislev unterscheidet sich kaum vom Winter, aber er unterscheidet sich doch. Dieser Unterschied gab Newski eine Chance, welche der glänzende Stratege auch nutzte.

icht weit vom Lager der Chaosritter entfernt befand sich ein See. Es war ein sehr tiefer, stiller und ruhiger See. Selbst vom Rande aus konnte man den Grund nicht sehen. Das Licht wurde einfach von der unheimlichen Tiefe verschluckt. Wer von den Ufern des See hinein schaute, dem kam es so vor, als wäre das Wasser schwarz. Die Menschen mochten den See nicht und sie gaben ihm einen Namen der diese Unliebe bestätigte. "Das Herz der Finsternis" oder einfach nur "Finstersee" wurde er von den Bewohnern des Landes genannt. Der See war bereits vollständig zugefroren und mit Schnee bedeckt, aber es war noch Herbst und die Eisschicht noch nicht so stark wie im Winter. Dies brachte den Fürst auf eine Idee.

m nächsten Morgen, die Chaosarmee wollte gerade in Richtung Nowgorod aufbrechen, erschienen plötzlich direkt vor ihnen einige Hunderte Reiter. Es waren berittene Bogenschützen, welche die Streitmacht des Chaos mit einen Pfeilhagel bedeckten. Pfeile konnten den schwergepanzerten Rittern zwar nicht viel anhaben, aber nicht desto trotz waren die Diener des Chaos empört und erbost. Ostländer (60629 Byte)Es lief alles wie geplant. Die Chaoskriegergorde stürmte auf die Bogenschützen los. Doch diese ergriffen die Flucht und ritten, dicht gefolgt von den Chaosrittern, in Richtung Finstersee davon, wo bereits Fürst Newski mit seinen gesamten Heer auf den Gegner wartete. Als die Chaosritter die Armee der Kisleviten erblickten, konnte sie nichts mehr aufhalten. Wie eine lebendige Lawine aus Eisen rollte sie auf die Kisleviten zu. Die Ritter senkten bereits die Lanzen zum Stoß, als einige von ihnen eine seltsame Bewegungen in den hinteren Reihen der Kisleviten bemerkten. Es waren Männer, die mit schweren Hammer auf den Boden einschlugen. Doch bevor jemand etwas verstehen oder unternehmen konnte, befand sich der Großteil des Ritterheeres bereits auf der Seeoberfläche. Erst jetzt, als sich die Kisleviten plötzlich zurückzogen und die Chaosritter riesige Wasserlachen sahen, begriffen sie. Doch es war bereits zu spät. Mit einem donnernden Krachen brach die Eisdecke auf. Riesige Eisbrocken stiegen empor. Innerhalb von wenigen Minuten war es geschehen. Nur wenige Überlebende schafften es gerade noch an das Ufer, nur um dann von Kisleviten niedergestreckt zu werden. Es war ein Triumph. Leider konnten sich die Kisleviten nicht sehr lange über ihren Sieg freuen.

ie Niederlage machte Khorne zornig und sein Gebrüll von unersättlicher Wut schallte durch Raum und Zeit. Bereits wenige Wochen später stand eine weitere Chaoshorde vor den Toren von Nowgorod.

horne schickte Khronos den Engel des Todes, ein Blutdämon und der Größte und tödlichsten aller seiner Diener. Khronos Gefolge bestand aus unzähligen tödlichen Kreaturen. Tausende von Bestien belagerten die Stadt, blutrünstige Zerfleischer, wütende Bluthunde und Moloche, die tödliche Kolosse, von der unheilvollen Macht des Chaos getrieben. Das Schicksal der Stadt war besiegelt und niemand dachte auch nur daran zu verhandeln, den die Dämonen waren gekommen um Nowgorod auszulöschen. Sieben Tage und sieben Nächte wütete die Schlacht, während der keine der beteiligten Seiten auch nur einen Schritt zurückwich. koloss.jpg (168847 Byte)Schließlich wurden die Verteidiger immer weniger und am Morgen des achten Tages durchbrachen die Dämonen auch die letzte Verteidigungslinie und strömten in die Stadt. Eine blutige Orgie im Namen Khorns begann. Alles menschliche wurde vernichtet. Moloche zertrampelten Häuser bis auf die Grundmauern und begruben Tausende von Stadtbewohnern unter den Ruinen. Nowgorods letzte Stunde war gekommen. Newski und seine treuesten Krieger waren die letzten, die noch am Leben geblieben waren und Wiederstand leisteten. Doch auch sie wurden von den Zerfleischern in die Enge getrieben und wußten, daß ihre Zeit zuende ging. So bereiteten sie sich auf ein letztes Gefecht vor. Es war ein schreckliches Blutbad. Entgegen jeder Vernunft und mit dem Mut der Verzweiflung stellte sich der Fürst dem Blutdämon zum Zweikampf. Der Angriff kam schnell, mit ihm Schmerz, danach gab es nur noch Dunkelheit. Als die Kirche, in welcher sich der Fürst zum letzten Mal dem Feind stellte, über ihm einstürzte, war alles vorbei. Die einst so prächtige Stadt Nowgorod existierte nicht mehr und die Dämonenhorde zog, nur rauchende Ruinen und Tausende von Leichen hinterlassend, weiter.

iemand, einschließlich Newski selbst kann sagen wie lange es gedauert hat, bis er zu sich kam. Doch irgendwann wachte er auf. Und irgendwie schaffte er es sogar, durch die eingestürzten Säulen bis nach oben zu kommen. Er erkannte er seine geliebte Stadt nicht mehr. Nichts war geblieben. Kein einziger Mensch, kein einziges Gebäude. Alles wurde erbarmungslos vernichtet. Und als der Fürst die verstümmelten Leichen seiner Frau und Kinder entdeckte, da entbrannten in ihm Zorn und Wut. "Götter! – schrie er, - wieso habt Ihr das zugelassen? Wieso habt Ihr uns nicht geschützt? Womit haben meine Kinder es verdient, so zu sterben? Und wieso bin ich noch am Leben?" Niemand antwortete. Die Götter blieben stumm. Sie konnten nichts sagen. Oder wollten sie es nicht? Sogar ein Fürst ist bloß ein Spielzeug in ihren Händen.

ewski verfluchte die Götter und schwor nie wieder die Schwelle eines Tempels zu betreten und Rache an allen Anhängern des Chaos zu nehmen, die er je treffen würde. Dann wandte er sich nach Süden. Es ist noch immer ein Rätsel, wie es ihm gelungen war völlig allein und mit unzähligen Verletzungen die schneebedeckte Ebenen zu überqueren. Bekannt ist nur, daß es ist ihm gelungen ist. Es waren bereits einige Monate seit der Zerstörung Nowgorod vergangen als Newski die Stadt Praag erreichte. Er war kaum noch zu erkennen. Von Narben übersät, fast verhungert und geschwächt. Das einzig lebendige an ihm waren seine Augen, Augen voller Haß. Sein Erscheinen beim Hof in Praag sorgte für Aufregung. Niemand wollte glauben, daß es sich bei diesen verbitterten und kaum noch lebenden Menschen um den großzügigen und gutmütigen Herrscher des Nordens, den ehemaligen Fürst von Nowgorod handelte.

och er war es. Sein Körper war gebrochen, sein Gesicht nicht wiederzuerkennen, aber sein Geist lebte noch. Er forderte Tzarina Katharina, die Eiskönigin von Kislev auf, ihm ein Heer zur Verfügung zu stellen, um die Dämonen zu vernichten. Als man ihm sagte, daß dies bereits geschehen war und sich die Horde auf der Flucht nach Norden befindet, glänzten seine Augen für einen flüchtigen Moment auf. Trotzdem bat Newski die Königin um ein Heer. Er wollte seine Quest, Khronos aufzuspüren und zu erschlagen, vollenden. Die Antwort war natürlich eine Absage. Niemand hier sah einen Sinn darin, und eigentlich konnte man es auch verstehen. Nowgorod war gefallen, der Norden des Landes für immer verwüstet. Zwar war die Armee der Kisleviten in der Schlacht gegen die Dämonen siegreich gewesen, doch um welchen Preis. Die Verluste waren verheerend. Niemand hatte eine Ahnung davon, was oder wer die Armee im Norden erwarten würde. Unter diesen Umständen wäre ein solches Unternehmen einfach nur Selbstmord.

as war allen deutlich klar, nur Newski nicht. Er hatte nur noch das Bild der Ruinen von Nowgorods und, vor allem, die Leichen seiner Frau und Kinder vor Augen. Zu keinerlei Vernunft zugänglich brach er in rasenden Zorn aus und schrie Tzarina und den Kriegsrat an, sie würden sich nicht um ihre Untertanen kümmern. Als einer der Priester versuchte, Newski mit gutgemeinten Worten zu beruhigen, passierte etwas, womit niemand gerechnet hatte. In einen Ausbruch von Wut, zog der Fürst sein Schwert und mit dem Schrei auf den Lippen: "Wo waren du und deine Götter, als meine Kinder starben?" erschlug er den Priester. Newski wurde von den Leibwächtern der Tzarin überwältigt, gefangen genommen und in den Kerker eingeschlossen. Tzarina wollte nichts mehr von dem wahnsinnig gewordenem Fürst hören oder sehen.

m Volk sprach sich die Nachricht schnell herum, daß der einzige Überlebende Nowgorods von der Tzarin in den Kerker geworfen wurde. Unruhe breitete sich aus. Für die einfache Menschen war Fürst Newski ein Held und Menschen sehen es nicht gern, wenn ihre Helden eingesperrt werden. Als die Unruhen bedenklich wurden, entschied sich Katharina für einen Kompromiß. Newski wurde nicht mehr gefangen gehalten, aber aus Kislev verbannt. Er wurde von einen Trupp der Leibwache bis an die südliche Grenze des Landes begleitet und dort freigelassen. Man gab ihm seine alte verbeulte Rüstung, sein Schwert und ließ auf der Straße stehen.

insam stand er da. Seinen Glauben hatte er verloren. Sein Leben war ihm genommen. Seine Familie getötet und sein Land verwüstet. Sogar seine Königin wollte ihn nicht mehr sehen. Schwermütig zog er weiter. Die Jahre vergingen. Er wanderte durch die Länder des Imperiums und verdiente sich mit seinen Schwert das knappe Söldnerbrot. Er sah viele Länder und tötete Hunderte von Feinden. Mürrisch und griesgrämig schloß er keine Freundschaften und redete mit niemandem. Er war schon lange nicht mehr der großzügige und gutmütige Mensch, der einmal Nowgorod regierte. Dieser Mensch war bei der Verteidigung seiner Stadt gestorben. Der schweigsamer Söldner lebte nur noch von und für seinen Haß.

ines Tages führte ihn sein Weg auch nach Mortheim. In dem heruntergekommenen Söldner erkannte niemand den ehemaligen Fürst von Nowgorod. Und er wollte auch nicht erkannt werden. Zuerst nahm keiner den schweigsamen Krieger ernst. Doch schon der erste Auftrag brachte ihm allgemeine Anerkennung. Newski erledigte in rasender Wut und fast im Alleingang eine Tiermenschenhorde. Nun zweifelte niemand mehr daran, daß er sein Handwerk beherrschte.

ewski blieb in Mortheim und läßt sich immer wieder anheuern, meistens wenn man von den Besessenen oder Tiermenschen in der Stadt berichtet. Auch heute weiß niemand, wer eigentlich dieser Mann in der alten Rüstung ist. Es fragt auch keiner. Aber jeder weiß, wenn es darum geht zu kämpfen, so gibt es kaum eine keine bessere Wahl als diesen grimmigen Krieger mit den stahlblauen Augen voller Haß und Verbitterung.

25.05.2001 by witchhunter

 
 
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